Interpreten

Die vielleicht unendliche Geschichte geht weiter. Wieder haben viele Musikerinnen, Texterinnen, Musiker und Texter neue Werke für Kinder geschaffen. Die bisherige Ohrewürm-Biografie beweist, dass diese Melodien und Geschichten oft auch die Erwachsenen mitten ins Herz treffen. Nur so lässt sich der bisherige Erfolg erklären: Ohrewürm 1 hat Doppelplatin-Status erreicht (über 100'000 verkaufte Alben), Ohrewürm 2 Platin (über 50'000) und Ohrewürm 3 ist mit Gold (über 25'000) auch schon in guter Gesellschaft. Besonders erfreulich ist, dass diese Produktionen nichts an Beliebtheit oder Aktualität eingebüsst haben und sich immer noch regen Zuspruchs erfreuen.

Ladies first
Wieder dabei ist Sina (Där Pulli biisst); die Walliserin, welche mit ihren Songs seit Jahren ein grosses Publikum begeistert, entzieht sich selbst jeder Routine und ihre musikalischen Motoren sind auf vielen Wegen des menschlichen Lebens präsent. Wir sind Sina dankbar, weil sie durch ihr Dabei-Sein die Newcomer oder die weniger bekannten Mitwirkenden in besonders sympathischer Weise unterstützt.

Ebenfalls schon einmal mitgewirkt hat Corin Curschellas. Diesmal macht die Bündnerin ihre Aufwartung mit Gardi Hutter, der einzigen und einzigartigen Clownin der Schweiz (Guetnachtguetzli). Das quicklebendige Duett sprüht nur von umwerfender Komik und witziger Musik. Ein ganz besonderes Werk, welchem man jetzt schon ein langes Leben voraussagen kann.

Neu dabei und überhaupt erstmals auf einer CD-Produktion zu hören ist Meret Matter, die Tochter von Mani Matter. Sie hat sich als Regisseurin bei grossen und kleinen Bühnen einen Namen gemacht (in diesem Herbst inszeniert sie am Schauspielhaus Zürich Schillers "Wilhelm Tell"). Sie debütiert mit Prinzässin, einem frappant schnellen, rhythmisch fast wilden Chanson: Ob dies mit Absicht geschieht, um gewissen Vorurteilen den Wind aus den Segeln zu nehmen, sei dahin gestellt. Die sympathische Prinzessin aus Bern ist jedenfalls sehr resolut und sich ihrer Einmaligkeit bewusst.

Berner Platte
Die Berner Fraktion besteht aber nicht nur aus Meret Matter. Im Gegenteil: Man könnte dieses Album Nummer 4 fast als "Berner Platte" bezeichnen. Da ist einmal der Shooting Star des vergangenen Jahrhundert-Sommers: Signorino TJ, welcher trotz seines nahezu exotisch anmutenden Namens, durch seinen Vater ebenfalls mit der grossen Berner Troubadour-Szene verbunden ist. Sein Schubi-Dubi verleugnet die grosse musikalische Vergangenheit des alten Jazz nicht, ist offen gegenüber allen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, ist aber auch ein Plädoyer für gesellschaftliche Toleranz und hebt den Warnfinger gegenüber unbedachten Vorurteilen. Der junge Berner serviert seine Botschaft mit virtuosen Worten und mit einer frappierenden Musikalität, dass man gegenüber dem Jüngsten in der Ohrewürm-Runde nur sagen kann: Bravissimo.

Die drei weiteren Berner Einzelstreiter sind ebenfalls zu beachten:
Thee Buben (früher als "Bubi" bekannt) thematisiert mit seinem überraschenden Ritter Ringelbart einen grossen romantischen Kinderstoff genauso wie Dänu Brüggemann mit dem sympathischen Seeräuber Zippo: Zwei lange und besonders gelungene Balladen. Andi Hug setzt dazu mit seinem Krach einen starken Kontrast. Bei ihm geht es wie beim grossen Kinderkrach drunter und drüber. Musikalisch allerdings ist hier nicht zu überhören, dass ein aussergewöhnlicher Könner am Werk ist. Für Kenner ist dies nicht weiter erstaunlich, da Andi Hug wichtige Beiträge zu grossen Erfolgen in der Schweizer Popgeschichte geleistet hat (z. B. als Mitglied bei Patent Ochsner oder bei Stop the Shoppers).

Alte Bekannte sind zwei Berner Bands: Stop the Shoppers sind nach den voluminösen Elefanten nun mit dem fragil-eigensinnigen Flamingo, Merfen Orange mit dem hochmusikalisch-wortspielerischen Amorat dabei, einem Song, welcher den Kinderalltag verständnisvoll charakterisiert und zum Klingen bringt.

Der Rest der Schweiz
Kein Berner, aber nicht weit von Bern zu Hause ist der Freiburger Gustav. Sein Song Häppörischnitta (Erdbeer-Schnitte) jongliert virtuos doppelsprachig im Freiburger Dialekt und in der französischen Sprache, die Musik kommt mit hinreissendem Elan und melodischem Erfindungsreichtum daher. Wenn es noch eines Beweises gebraucht hätte, dass für die jungen Kulturschaffenden der Röschtigraben gar nicht existiert, dann liefert ihn Gustav in eindrücklicher Weise.

Die Ohrewürm-Geschichte ist auch eine Geschichte der Liebe zu den schweizerischen Dialekten: Deshalb ist diesmal – nach "Jolly and the Flytrap" – ElRitschi aus dem Kanton Obwalden dabei. Sein Dialekt passt ideal zu der ratternden Zahnrad-Bahn und zum Gschpängscht im Grüänäwald: ein Chanson, das nur so vor Lebensfreude überquillt.

Bei Basel und Zürich steht es wie im Fussball, d. h. 2:1 für Basel. The Saltbee, welche als Beatles vom Rheinknie in die Schweizer Pop-Geschichte eingegangen sind, liefern einen skurrilen, für Kinder aber bestimmt nachvollziehbaren Song (Uff em Klavier). Supernova, schon bei Ohrewürm 3 dabei, besingt in Struppi eine herzzerreissende Kurzgeschichte über Liebe, Verlust und Traurigsein. Musikalisch ist der Song ein Husarenritt, man kann in den Gefühlen und im Sound baden. Gute alte Popzeiten werden zu neuem Leben wiedererweckt. Die einzigen Zürcher verstecken sich hinter dem besonders zürcherischen Bandnamen Jean et les Peugeot. Sie beweisen schon mit diesem Versteckspiel, dass sie nicht so sind, wie man die Zürcher oft sieht: Sie haben Witz, Ironie, Esprit. Und so wird auch das Thema Geburtstag behandelt.

Auf weniger Vorbehalte stösst natürlich Linard Bardill, der wohl erfolgreichste Kinderlieder-Autor und -Sänger mit seinem Bündner-Dialekt. Er beschliesst die Ohrewürm 4 mit einem beschwingt-schwebenden, Trost spendenden und Mut machenden Lied voller Harmonie. Mit diesem Chanson (Alles wieder guet), welches auch voller Poesie die Sehnsucht nach Geborgenheit und Glück ausdrückt, kann jedes Kind gut einschlafen – oder auch die wichtigen eigenen Schritte unternehmen.
Wir danken allen Beteiligten für die Gedanken, die Melodien, für das Vertrauen und für die Verschönerung des Lebens vieler Kinder (und Erwachsener).